Die Jahreszeiten verschwimmen ineinander. Mein Kalender behauptet, der Herbst ist vorbei. Ich wandere durch immer gleiche Staubwüsten, plündere Ruinen, schwitze, überlebe, als Letzter meiner Art.
Das verfallene Haus am Rand des toten Waldes holt verloren geglaubte Erinnerungen zurück.
Familienfeier. Weiße Weihnachten. Bunt beleuchteter Baum.
Die Menschheit ist verschwunden. In meinem Rucksack bewahre ich ihr Erbe.
Vergilbte Fotos von Leuten, die ich gern gekannt hätte. Eine Schicht Kunstschnee aus flimmerndem Plastik. Einzelne intakte Glaskugeln in einem glitzernden Scherbenmeer.
Die Welt ist wärmer geworden. Trostloser. Doch vor dem Sicherheitsglasfenster meines Bunkers entsteht eine verwunschene Welt.
Winter.
Ein letztes Mal.
Nur für mich.
Dieser Text ist ein Beitrag zum Drabble-Dienstag, ins Leben gerufen von Anouk – eine wöchentliche Challenge mit 3 Schlagwörtern, aus denen eine Drabble = eine Mikrogeschichte mit exakt 100 Wörtern entstehen soll.
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